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Qualitätsrahmen setzt verbindliche Zielvorgaben

in Lehrerzimmer 25.01.2006 16:23
von Joez | 351 Beiträge

Pressemeldung vom 24.01.2006

Aktuelle Pressemitteilung des Hessischen Kultusministeriums

Qualitätsrahmen setzt verbindliche Zielvorgaben

Einen entscheidenden Entwicklungsschub für mehr Eigenverantwortung von Schule kündigte Kultusministerin Karin Wolff heute in ihrer Regierungserklärung vor dem Hessischen Landtag an. "Wenn wir Schule und Unterricht konsequent modernisieren wollen, müssen wir unseren Schulen schrittweise mehr Freiheit in pädagogischen, personellen, finanziellen und organisatorischen Fragen übertragen", erklärte Wolff. Hessen sei auf diesem Weg in den vergangenen Jahren schon ein gutes Stück vorangekommen. "Jetzt geht es darum, diesen Weg zielsicher weiterzugehen."

Als wichtigste Schritte zu mehr Selbstverantwortung an den Schulen in diesem Jahr nannte Wolff die eigenverantwortliche Organisation einer Jahresstundentafel, die eigenständige Gestaltung verlässlicher Schulzeiten, die Einrichtung von Schulbudgets für Fortbildungsmaßnahmen und Vertretungsunterricht sowie größere Entscheidungsfreiheit bei der Personalauswahl.

Wolff verwies darauf, dass Eigenverantwortung von Schule nur in einem fest umrissenen Qualitätsrahmen mit klaren Zielvorgaben gelingen könne: "Freiheit der Schule und Verbindlichkeit in der Ergebnissicherung gehören wie zwei Seiten einer Medaille untrennbar zusammen", hob die Ministerin hervor. Mit einem erweiterten Handlungsspielraum trügen die Schulen auch eine größere Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Anstrengungen. "Jede Schule muss sich bewähren und selbst entscheiden, wie sie die von uns gesetzten Ziele erreicht", so die Ministerin.

Als "Messlatte" für mehr Eigenverantwortung bezeichnete Wolff die von der Kultusministerkonferenz der Länder beschlossenen Bildungsstandards, die an den hessischen Schulen bis 2008 eingeführt sein werden. Sie beschreiben, was die Schule zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben muss und sind so die unerlässliche Voraussetzung für die Überprüfung der Wirksamkeit von Schule. Verbindliche Zielsetzungen durch die Landesregierung wie die Einführung zentraler Abschlussprüfungen für die hessischen Schülerinnen und Schüler in allen Bildungsgängen, schulinterne Vergleichsarbeiten oder die Teilnahme an internationalen Studien wie PISA oder IGLU gewährleisteten einen einheitlichen Qualitätsstandard.

Um die Vergleichbarkeit schulischer Entwicklung sicherzustellen, sei nicht nur eine interne Überprüfung der Zielvorgaben notwendig, sondern auch der kritische Blick von außen durch eine externe Schulinspektion, betonte die Ministerin. Ziel des neu eingeführten "Schul-TÜVs" in Hessen sei es, die Stärken und Schwächen der einzelnen Schule zu ermitteln und sie auf ihrem Weg zu mehr Eigenverantwortung zu unterstützen.

Mit der Einführung einer Jahresstundentafel zum 1. August 2006 erhalten die Schulen die Möglichkeit, ihre Stundenkontingente in den einzelnen Fächern frei über ein oder zwei Jahre zu verteilen und so den Unterricht gezielter auf die Lern- und Förderbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abzustimmen. Fächerübergreifender Unterricht sei nach den Worten Wolffs dabei ebenso denkbar wie flexible Gruppengrößen, die den Lehrern eine Bandbreite zwischen Vortragsveranstaltungen im Vorlesungsstil bis hin zu konzentrierter Arbeit in geteilten Klassen eröffneten.

Mehr Freiheit bei der Organisation von kurzfristigem Vertretungsunterricht erhalten die hessischen Schulen im kommenden Schuljahr im Rahmen der "Verlässlichen Schule": Jede Schule wird über ein Budget von 1.000 Euro pro Lehrerstelle verfügen, um damit selbstständig, schnell und unbürokratisch die Vertretung vor Ort zu organisieren "Mit einem eigenen Vertretungs-Pool, dem auch Eltern, pensionierte Lehrer oder Studenten angehören, werden die Schulen für jedes Kind feste Schulzeiten im Rahmen des Stundeplans am Vormittag garantieren können", so Wolff.

Entscheidende Veränderungen kündigte die Ministerin auch bei der Personalauswahl an: "Ab dem nächsten Schuljahr werden Schulleitungen etwa die Hälfte ihrer Neueinstellungen in Eigenregie vornehmen können." Eine schnelle Ausweitung auf hundert Prozent sei geplant. "Schulleitungen müssen nicht länger nur auf die Ranglisten zurückgreifen, sondern können mit Ausschreibungen gezielt nach Lehrerinnen und Lehrern suchen, die in ihr Schulprofil passen", erläuterte Wolff.

"Schulleiterinnen und Schulleiter werden zudem künftig eine Fülle neuer Möglichkeiten haben, die Qualität ihrer Schule fortzuentwickeln. Sie nehmen eine Schlüsselstellung ein, wenn es darum geht, an ihrer Schule eine Kultur der Verbindlichkeit zu schaffen", verwies Wolff auf das veränderte Berufsbild der Schulleitung in einer eigenverantwortlichen Schule. Wichtig sei, Schulleitungen nicht nur mit entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen auf ihre neue Rolle vorzubereiten, sondern ihnen auch die nötigen Freiräume für ihr erweitertes Aufgabengebiet zu gewähren. "Mit einer Ausweitung der Leitungszeit in einer Größenordnung von 200 Stellen werden wir diesen neuen Anforderungen Rechnung tragen", versicherte die Ministerin.

Eine weitere zentrale Rolle käme den Budgets an hessischen Schulen zu. "Bereits jetzt können die Schulen über ein Fortbildungsbudget von 40 Euro je Stelle verfügen, das wir schrittweise ausbauen werden", erklärte die Ministerin. Demnach erhält eine mittelgroße Schule mit 50 Lehrkräften Mittel in Höhe von 2.000 Euro. Die Schulen könnten selbst bestimmen, für welche Fortbildungsveranstaltungen sie das Budget einsetzen und so gezielt ihr Profil schärfen. Darüber hinaus sei geplant, den Schulen ab 2007 mit regionalen Haushalten, in denen Mittel des Landes und der Schulträger zusammenfließen, mehr finanzielle Gestaltungsfreiheit zu geben.

Wolff betonte, dass die Landesregierung in den vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl von Initiativen gestartet habe, um den Schulen mehr Eigenverantwortung einzuräumen und dem jetzt vorgestellten Maßnahmenbündel den Boden bereitet habe. So werden aus dem landesweiten Modellprojekt "Selbstverantwortung plus" an 17 Berufsschulen und den vier Modellregionen "Schule gemeinsam verbessern" - Landkreis Groß-Gerau/Stadt Rüsselsheim, Main-Taunus-Kreis/Stadt Kelsterbach, Hochtaunuskreis und Wetteraukreis - weiterhin Erfahrungen gesammelt, um diese in das Gesamtkonzept der eigenverantwortlichen Schule einzubringen. "Nicht nur die Schulen werden sich verändern, alle Unterstützungssysteme und die Schulaufsicht verändern sich mit. Nur gemeinsam können wir im hessischen Bildungswesen wieder eine Kultur der Verantwortlichkeit entwickeln", sagte die Ministerin abschließend.


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